Warum Offenheit oft am Raum scheitert
- Christian Oestreich
- vor 3 Tagen
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„Wir brauchen mehr Offenheit.“ Dieser Satz fällt in vielen Organisationen schnell.
Was seltener betrachtet wird, ist der Ort, an dem diese Offenheit stattfinden soll.
In einem INQA-Coaching wurde mir das kürzlich wieder bewusst. Nicht, weil Gespräche nicht möglich gewesen wären. Und auch nicht, weil der Wille gefehlt hätte.
Sondern weil der Rahmen etwas anderes erzählte.
Die Gespräche fanden statt in Räumen, die man durchquert.
An Tischen, die Distanz erzeugen.
Bei Türen, die offenstehen – und damit signalisieren, dass alles sichtbar ist.
Es waren keine schlechten Räume. Aber es waren keine, in denen man bleibt.
Räume wirken, auch wenn niemand über sie spricht.
Manche laden ein.
Andere halten auf Abstand.
Wieder andere machen deutlich,
dass hier zwar geredet werden darf –
aber bitte nicht zu lange und nicht zu tief.
Offenheit wird unter solchen Bedingungen vorsichtig.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Gespür.
Die Frage, die Führungskräfte sich dabei selten stellen, ist nicht:
Warum sagen die Mitarbeitenden das nicht?
Sondern:
Was macht es in diesem Raum eigentlich schwer, etwas zu sagen?
Diese Frage richtet sich nicht an Personen.
Sie richtet sich an den Rahmen.
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einem neuen Gespräch.
Und auch nicht mit einem weiteren Format.
Sondern mit der stillen Betrachtung dessen,
was der Raum erlaubt –
und was er leise verhindert.
Wenn Sie beim Lesen gemerkt haben, dass Ihnen diese Situation vertraut ist,
können wir uns dazu ruhig austauschen.


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