Change-Management in der VUCA-Welt: Warum einfache Ansagen heute nicht mehr greifen
- Christian Oestreich
- 29. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Dez. 2025

Viele Unternehmen spüren aktuell, dass Veränderung schwieriger geworden ist. Nicht, weil es an Einsicht fehlt. Sondern weil Entscheidungen heute schneller auf Widerstand, Irritation oder Rückzug stoßen als früher.
Das zeigt sich besonders deutlich bei Themen wie Präsenzkultur, Arbeitsmodelle oder strukturelle Anpassungen. Was früher als klare Ansage akzeptiert wurde, wird heute hinterfragt – manchmal offen, manchmal leise, manchmal durch innere Distanz.
Das ist kein Zeichen schwacher Führung. Es ist ein Hinweis darauf, dass sich der Kontext verändert hat.
Was VUCA im Alltag wirklich bedeutet
VUCA wird oft als Schlagwort verwendet. Im Alltag von Unternehmen zeigt es sich jedoch sehr konkret.
Rahmenbedingungen ändern sich schneller, als Entscheidungen wirken können. Planungen verlieren schneller ihre Gültigkeit. Zusammenhänge werden komplexer, Erwartungen widersprüchlicher.
Im Arbeitsalltag zeigt sich das zum Beispiel daran, dass:
Entscheidungen ihre Wirkung entfalten sollen, während sich der Kontext bereits weiterdreht
Mitarbeitende unterschiedliche – teils widersprüchliche – Erwartungen an Führung haben
Sicherheit erwartet wird, obwohl Unsicherheit zur Normalität geworden ist
In dieser Situation greifen lineare Logiken nur noch bedingt. Nicht, weil sie falsch sind – sondern weil sie der Realität oft hinterherlaufen.
Warum Widerstand heute häufiger entsteht
Widerstand ist kein neues Phänomen. Neu ist, wie schnell und subtil er entsteht.
In vielen Fällen geht es dabei nicht um das Was der Veränderung, sondern um das Wie. Um Fragen wie: Wird das hier wirklich verstanden? Ist das durchdacht? Ist das konsistent mit dem, was vorher gesagt wurde?
Wenn Antworten darauf fehlen, entsteht Unsicherheit. Und Unsicherheit sucht sich Ausdruck – manchmal als Kritik, manchmal als Rückzug.
Change scheitert selten an fehlender Einsicht
In Gesprächen zeigt sich häufig: Die meisten Menschen wissen, dass Veränderung notwendig ist. Sie erleben selbst, dass Stillstand keine Lösung ist.
Was jedoch oft fehlt, ist Orientierung. Ein Gefühl dafür, wohin die Reise geht und was konkret erwartet wird.
Veränderungen werden angekündigt, aber nicht ausreichend eingeordnet. Entscheidungen werden getroffen, ohne den Kontext sichtbar zu machen. Und Führungskräfte stehen zwischen Erwartungen von oben und Reaktionen von unten.
Das erzeugt Reibung – nicht aus Unwillen, sondern aus Überforderung.
Führung unter veränderten Bedingungen
Führung in einer VUCA-Welt bedeutet nicht, immer die richtige Antwort zu haben. Es bedeutet, Orientierung zu geben, auch wenn nicht alles klar ist.
Gefragt sind weniger schnelle Lösungen, sondern eine Haltung, die:
Zusammenhänge sichtbar macht
Unsicherheiten benennen darf
Konsistenz über kurzfristige Beruhigung stellt
Gerade bei kulturellen Themen – wie der Frage nach Präsenz – wird das besonders spürbar. Dort entscheidet weniger die Maßnahme als die Art, wie sie eingeführt wird.
Präsenzkultur als Spiegel von Change-Kompetenz
Ob Unternehmen mit dem Thema Präsenz konstruktiv umgehen, sagt viel über ihre Fähigkeit zum Wandel aus.
Dort, wo erklärt, zugehört und gestaltet wird, entsteht Verständnis – auch dann, wenn nicht alle Entscheidungen gefallen sind. Dort, wo verordnet, relativiert oder widersprüchlich kommuniziert wird, entsteht Widerstand – selbst bei sachlich nachvollziehbaren Gründen.
Präsenz wird damit weniger zur organisatorischen Frage als zu einem kulturellen Prüfstein.
Was Veränderung heute tragfähig macht
Tragfähiger Wandel entsteht nicht durch Tempo oder Druck. Sondern dort, wo:
Orientierung vor Geschwindigkeit kommt
Entscheidungen eingeordnet statt nur verkündet werden
Kommunikation anschlussfähig bleibt
Das kostet Zeit. Spart aber langfristig Energie – auf allen Seiten.
Ein Ausblick
Veränderung wird bleiben. Die Frage ist nicht, ob Unternehmen sich anpassen müssen, sondern wie sie dabei Orientierung geben.
Wie Führungskräfte in unsicheren Zeiten handlungsfähig bleiben können, ohne zu überfordern, ist Teil der weiteren Auseinandersetzung – und Thema der vertiefenden Arbeit im Webinar am 16.01. warum einfache Ansagen heute nicht mehr greifen.
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