Homeoffice oder Präsenz?
- Christian Oestreich
- 22. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Warum viele Unternehmen gerade im Dazwischen feststecken
Viele Unternehmen stehen aktuell vor derselben Frage:
Wie bringen wir unsere Mitarbeitenden wieder häufiger in die Präsenz – ohne Widerstand, Frust oder innere Kündigung auszulösen?
Seit der Corona-Pandemie hat sich Arbeit grundlegend verändert. Homeoffice wurde zur Normalität, Autonomie zur Erfahrung, Flexibilität zum neuen Maßstab. Für viele Mitarbeitende ist das Arbeiten von zu Hause längst kein Notbehelf mehr, sondern ein funktionierender Alltag.
Gleichzeitig erleben Unternehmen etwas anderes: schwieriger werdende Zusammenarbeit, weniger informellen Austausch, nachlassende Bindung, brüchigere Kultur.
Zwischen diesen beiden Perspektiven entsteht ein Spannungsfeld, in dem sich viele Organisationen derzeit festfahren.
Das eigentliche Problem ist kein Entweder-oder
Die Diskussion wird oft so geführt, als gäbe es nur zwei Optionen:
Homeoffice behalten
oder Präsenz wieder einfordern
In der Praxis funktioniert beides nur bedingt.
Reine Homeoffice-Strukturen schwächen auf Dauer:
Identifikation
Teamgefühl
informelle Lernprozesse
Kulturentwicklung
Eine verordnete Rückkehr ins Büro wiederum erzeugt:
Widerstand
Demotivation
Vertrauensverlust
innere Distanz
Das Problem liegt nicht in der Entscheidung selbst, sondern darin, wie sie getroffen und kommuniziert wird.
Warum Präsenz heute nicht mehr selbstverständlich ist
Vor Corona war Präsenz selten eine Frage. Sie war Teil der Arbeitsrealität – nicht verhandelbar, nicht erklärungsbedürftig.
Heute ist das anders.
Mitarbeitende haben erlebt, dass:
Arbeit auch ohne tägliche Präsenz funktioniert
Produktivität nicht automatisch an Anwesenheit gekoppelt ist
Selbstorganisation möglich ist
Lebensqualität steigt, wenn Pendelzeiten wegfallen
Diese Erfahrung lässt sich nicht einfach „zurückdrehen“.
Präsenz muss heute begründet, gestaltet und sinnhaft erlebt werden.
Die Arbeitgeberperspektive: Ein reales Dilemma
Für Arbeitgeber ist die Situation komplex – und oft belastend.
Führungskräfte stehen vor Fragen wie:
Wie sichern wir Zusammenarbeit und Qualität?
Wie entwickeln wir Kultur weiter?
Wie integrieren wir neue Mitarbeitende?
Wie führen wir Teams, die sich kaum begegnen?
Das sind keine Kontrollfragen. Das sind organisatorische Notwendigkeiten.
Der Wunsch nach mehr Präsenz entsteht in der Regel nicht aus Machtdenken, sondern aus dem Bedürfnis nach:
Verlässlichkeit
Austausch
gemeinsamer Orientierung
Präsenzkultur ist kein Zurück – sondern ein Neuentwurf
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Wie bekommen wir unsere Mitarbeitenden zurück ins Büro?“
Sondern: „Wie gestalten wir Präsenz so, dass sie sinnvoll, attraktiv und verbindend ist?“
Präsenzkultur bedeutet heute:
Qualität statt Pflicht
Sinn statt Kontrolle
Gestaltung statt Anordnung
Menschen kommen nicht gerne zurück, weil sie müssen. Sie kommen zurück, wenn Präsenz einen Mehrwert bietet, den sie zu Hause nicht haben.
Was Unternehmen jetzt brauchen
Viele Organisationen versuchen, das Thema über Regeln zu lösen:
feste Präsenztage
Quoten
Anwesenheitspflichten
Das greift oft zu kurz.
Was stattdessen notwendig wird:
klare Haltung
transparente Kommunikation
Beteiligung der Mitarbeitenden
nachvollziehbare Entscheidungen
ein realistischer Blick auf die eigene Kultur
Denn Präsenz ist kein organisatorischer Schalter – sie ist ein kultureller Prozess.
Ein erster Ausblick
Unternehmen, die Präsenzkultur erfolgreich gestalten, behandeln sie nicht als Einzelmaßnahme, sondern als Teil eines größeren Veränderungsprozesses.
Und genau hier berührt das Thema einen zentralen Punkt moderner Führung: Change-Management in einer komplexen, unsicheren Arbeitswelt.
Warum einfache Ansagen in dieser Situation nicht mehr funktionieren – und was stattdessen hilft – darum geht es im nächsten Artikel dieser Reihe.
Hinweis
Diese Fragestellungen stehen auch im Mittelpunkt des Webinars am 16.01., in dem es um Präsenzkultur, Veränderung und Orientierung für Führungskräfte geht.



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