Orientierung geben, wenn nichts eindeutig ist
- Christian Oestreich
- 6. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 7. Jan.

Viele Unternehmen stehen aktuell unter Druck, Entscheidungen treffen zu müssen, obwohl die Lage unklar ist. Märkte verändern sich, Erwartungen sind widersprüchlich, Planbarkeit nimmt ab. Gleichzeitig wächst der Anspruch an Führung, Sicherheit zu vermitteln und Richtung vorzugeben.
Genau hier entsteht ein Spannungsfeld: Es wird Orientierung erwartet – aber es gibt keine eindeutigen Antworten mehr.
Warum der Wunsch nach Klarheit gerade so groß ist
In unsicheren Zeiten steigt das Bedürfnis nach Halt. Führungskräfte erleben das täglich: Fragen nach Richtung, Prioritäten und Verlässlichkeit nehmen zu. Gleichzeitig fehlt oft die Grundlage, um Entscheidungen langfristig abzusichern.
Der Versuch, trotzdem schnelle Klarheit zu erzeugen, führt jedoch nicht selten zu neuen Irritationen. Entscheidungen werden revidiert, Kommunikation wirkt widersprüchlich, Vertrauen leidet.
Das Problem ist dabei nicht mangelnde Kompetenz. Es ist die Erwartung, Klarheit liefern zu müssen, wo sie strukturell nicht vollständig herstellbar ist.
Orientierung ist nicht gleich Entscheidung
Orientierung wird häufig mit Entscheidungen verwechselt. Dabei erfüllen beide unterschiedliche Funktionen. Entscheidungen legen fest, Orientierung ordnet ein.
Gerade in komplexen Situationen ist diese Unterscheidung entscheidend. Orientierung hilft dabei, ein gemeinsames Bild der Lage zu entwickeln: Woran richten wir uns aktuell aus? Was hat im Moment Priorität – und was nicht? Welche Fragen sind offen, und welche lassen sich jetzt sinnvoll klären?
Erst wenn diese Einordnung gelingt, werden Entscheidungen tragfähig. Nicht, weil sie endgültig sind, sondern weil sie auf einem geteilten Verständnis der Situation beruhen.
Was Orientierung in der Praxis bedeutet
Orientierung entsteht nicht durch vollständige Antworten, sondern durch gemeinsame Klarheit über den Umgang mit Unsicherheit.
Das zeigt sich zum Beispiel darin, dass Führung:
offen benennt, was noch unklar ist
unterscheidet zwischen dem, was entschieden werden muss, und dem, was beobachtet werden kann
Prioritäten setzt, ohne alles festzuschreiben
Verantwortung nicht abgibt, sondern teilt
So entsteht Handlungsfähigkeit, auch wenn nicht alle Fragen beantwortet sind.
Warum Teams dadurch stabiler werden
Teams brauchen keine perfekte Sicherheit, um gut arbeiten zu können. Entscheidend ist vielmehr, dass das Vorgehen nachvollziehbar bleibt.
Stabilität entsteht dort, wo klar ist, wie Entscheidungen vorbereitet werden, wie neue Informationen einbezogen werden und woran sich die Zusammenarbeit aktuell orientiert. Wenn dieser Rahmen verständlich ist, entsteht Vertrauen – nicht, weil alles geregelt wäre, sondern weil Unsicherheit eingeordnet werden kann.
Gerade in Phasen des Wandels zeigt sich, dass Orientierung oft stärker wirkt als Kontrolle.
Klarheit ohne Überforderung
Orientierung zu geben heißt nicht, jede Unsicherheit aufzulösen. Es heißt, Unsicherheit so zu rahmen, dass sie handhabbar bleibt.
Führungskräfte, die das leisten, entlasten nicht nur ihre Teams, sondern auch sich selbst. Der Anspruch, alles wissen zu müssen, weicht einer klaren Haltung im Umgang mit dem Nicht-Wissen.
Ein abschließender Gedanke
Die Frage ist heute weniger, wie Unternehmen zu schnellen Lösungen kommen. Entscheidend ist, wie sie Orientierung schaffen, wenn Lösungen noch nicht eindeutig sind.
Diese Fähigkeit wird in den kommenden Jahren zu einer zentralen Führungsressource.
Die vertiefende Auseinandersetzung mit diesen Fragen – Klarheit, Orientierung und Handlungsfähigkeit in unsicheren Zeiten – ist Teil des Webinars am 16.01.
Weitere Informationen und Anmeldung zum Webinar




Kommentare